Schriftgröße: normal mittel groß

Kommunalpolitik online

Sitzungskalender, Vorlagen und Niederschriften finden Sie hier Zur Kommunalpolitik online

Unsere Partnerstädte

Städtepartnerschaften

Stadtleitbild Reinbek

von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen am 17.09.2009

Stadtleitbild Reinbek
von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen
 am 29.6.2006 und am 17.9.2009 (Aktualisierung) 

Zielsetzung des Stadtleitbildes
Das Stadtleitbild für Reinbek stellt dar, wohin sich unsere Stadt in den kommenden Jahren entwickeln soll und kann. Das Stadtleitbild muss dafür das Wünschenswerte mit dem realistisch Machbaren zusammenführen, um seine wichtigste Funktion erfüllen zu können: Ein roter Faden der Stadtentwicklung sein für alle diejenigen, die dafür Verantwortung tragen oder übernehmen wollen. Unser Stadtleitbild will insoweit ein gemeinsamer Wegweiser sein für  Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt.

Für Politik und Verwaltung gibt das Leitbild einen Zielkorridor vor für kommunalpolitische Entscheidungen zur Sicherung und Verbesserung der Leistungs-fähigkeit und Attraktivität Reinbeks. Dieser Zielkorridor ist zugleich als Gestaltungs- und Handlungsauftrag zu verstehen. Die einzelnen Themenbereiche des Leit-bildes müssen dazu schrittweise in den Maßnahmenkatalog eines Stadtentwicklungskonzeptes und die kommunale Bauleitplanung übertragen werden.

Das Stadtleitbild will die künftige Entwicklung Reinbeks so „abbilden“, dass dies eine belastbare Grundlage für öffentliche und private Investitionsentscheidungen ergibt. Es will zugleich die inhaltlichen Grundlagen für ein wirksames
Stadtmarketing bereitstellen.

Größte Bedeutung für die Kraft, die dieses Leitbild entfalten kann, hat seine  politische und öffentliche Akzeptanz. Deswegen will das Stadtleitbild Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerschaft dazu motivieren, sie alle „begeistern“, bei der Zukunftsgestaltung Reinbeks mitzuwirken.

Ein modernes Stadtleitbild ist auf einen Zeithorizont von 15 bis 20 Jahren orientiert. Dies ist der Zeitrahmen, für den zu wichtigen Entwicklungen belastbare Prognosen möglich sind. Sowohl im Hinblick auf die Dynamik aktueller Entwicklungen als auch für die Sicherung längerfristiger Optionen muss das Leitbild an wichtige Entwicklungen angepasst werden.

Dies setzt voraus, dass bereits die Erarbeitung des Leitbildes als Prozess verstanden wird. Es wird jetzt darum gehen, die „Vorlage“ der Politik zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern weiter zu konkretisieren und vor allem bei allen anstehenden Entscheidungen als Handlungsleitfaden zu beachten.

Stärken
Reinbek geht es vergleichsweise gut und auch seine Entwicklungsperspektiven sind gut!
Die Stadt benötigt keine grundlegende Neuorientierung, sondern kann und will sich darauf konzentrieren, ihre Stärken im Rahmen ihrer finanziellen Möglich-keiten auszubauen und erkannte Schwächen zu beheben.

Besondere Stärken sind:

Nachhaltige Entwicklung
Alle Bürgerinnen und Bürger sollen sich ihrer globalen Verantwortung bewusst sein und im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung gewährleisten, dass wirtschaftliche, ökologische und soziale Belange miteinander in Einklang gebracht werden, um den Lebensbedürfnissen heutiger Generationen gerecht zu werden und gleichzeitig akzeptable Lebenschancen für zukünftige Generationen zu erhalten.

Insbesondere müssen zukünftigen Generationen finanzielle Spielräume zur Gestaltung „ihrer Stadt“ und ihrer Lebensumstände bleiben. Kommunalpolitische Beschlüsse müssen deshalb dauerhaft auf einen ausgeglichenen Haushalt ausgerichtet sein. Die Verschuldung des öffentlichen Haushaltes ist vor allem in Hinblick auf die Generationengerechtigkeit ein Nachhaltigkeitsproblem. Daher muss der Haushalt laufend auf seine Zukunftsfähigkeit überprüft werden.

Qualitatives Wachstum als Leitidee
Alle realistischen Prognosen und Trends sagen aus, dass Deutschland sich auf ein eher geringes wirtschaftliches Wachstum und demographisch sogar auf einen deutlichen Bevölkerungsrückgang einstellen muss. Damit wird sich die Konkurrenz zwischen Städten und Regionen nochmals erheblich verstärken, nicht mehr wie bisher vor allem um die Ansiedlung von Unternehmen, sondern um qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie jüngere Familien mit Kindern. In dieser Konkurrenz wird die Qualität des Wohnstandortes zum wichtigsten Kriterium.

Reinbek stellt daher qualitatives Wachstum als Leitidee in das Zentrum der Stadtentwicklung.  
Vor allen kommunalpolitischen Entscheidungen müssen die Folgewirkungen auf die Stadtentwicklung (z.B. Bevölkerungsentwicklung, Infrastruktur) und im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung dargestellt und bewertet werden.

Arbeitsstandort  Reinbek
Ein angemessenes Angebot an qualifizierten lokalen Arbeitsplätzen ist für eine zukunftsfähige Stadt unabdingbar. Reinbek kann hier seine Entwicklung auf ein solides Fundament stützen. Es hat eine gute Arbeitsplatzzentralität und vergleichsweise geringe Arbeits-losigkeit sowie ein ausreichendes Angebot an  Gewerbeflächen.

Dieses Potenzial soll gesichert und gestärkt werden. Dabei  stehen drei Maßnahmenbereiche im Vordergrund:

  1. Erste Priorität kommt der Bestandspflege, also der Förderung und Unterstützung der heimischen Betriebe zu. Deren Zufriedenheit mit ihrem Standort ist auch das beste Argument für Neuansiedlungen.
  2. Soweit Neuansiedlungen möglich werden, soll darauf geachtet werden, dass es sich um Zukunftsbranchen mit qualifizierten Arbeitsplätzen handelt. Besondere Bedeutung kommt hier dem immer wichtigeren Bereich „Gesundheitswirtschaft“ zu, für den Reinbek – auch durch seinen Erholungswert, das zukunftsorientierte Krankenhaus und innovative Pharmaunternehmen – gute Voraussetzungen bietet. Diese Kompetenz soll konsequent gestärkt werden.
  3. Das Bildungs-, Ausbildungs- und Fortbildungsangebot soll auch in Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen laufend ausgebaut und qualifiziert werden. Bildung ist eine entscheidende Stellschraube sowohl für die Qualität des Arbeits- als auch des Wohnstandortes. Reinbek wird dafür auch auf eine verstärkte Zusammenarbeit der örtlichen Betriebe mit den Schulen hinwirken.

Kinder-, Jugend- und Familienfreundlichkeit
Reinbek bietet neben der hohen Wohnqualität in den Stadtteilen eine vergleichsweise gute soziale, schulische, sportliche und medizinische Infrastruktur. Die Verbesserung der Kinder-, Jugend- und Familienfreundlichkeit wird dennoch
weiter eine herausragende Aufgabe der Stadtpolitik sein. Dazu sollen vor allem folgende Maßnahmenbereiche mit Vorrang bearbeitet werden:

  1. Die Schaffung verlässlicher Betreuungsstrukturen ist für junge Familien von zentraler Bedeutung. Reinbek will solche Betreuungsstrukturen für Kinder sowie Schülerinnen und Schüler zunehmend gewährleisten. 
  2. Als ein zentraler Bestandteil von Kinder- und Jugendfreundlichkeit in Reinbek wird die Beteiligung/Partizipation von jungen Menschen angesehen. Kinder und Jugendliche müssen frühzeitig darin gestärkt werden, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen.
  3. Reinbek will nicht zuletzt die Transparenz des Angebotes für Familien, Kinder und Jugendliche verbessern und zugleich die Möglichkeiten zur Mitwirkung bei der Verbesserung des Angebotes vermehren. Dazu soll eine zentrale Vernetzungsstelle und mittelfristig ein
    Internet-Familienportal eingerichtet werden.    

Standortfaktoren Kultur und Naherholung
Die Stadt Reinbek zeichnet sich durch ein reichhaltiges Kulturangebot aus, das mit Schloss und Theater im Forum weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist und durch ein breit gefächertes kulturelles Leben in der Stadt ergänzt wird.
Die Stadt Reinbek verfügt zugleich über ein herausragendes naturräumliches Potential mit dem Tal der Bille, der von dort ansteigenden Geest, mit Wäldern wie Oher Tannen, der Lage am Sachsenwald und den Grünzügen zwischen den Stadtteilen.
In Reinbek leben ausländische und deutsche Bürgerinnen und Bürger in einem selbstverständlichen und gleichberechtigten Miteinander. Bestehende Städte-partnerschaften vertiefen die Weltoffenheit Reinbeks.
Dies sind hervorragende Image- und Standortfaktoren für die Stadt, die aber bislang unzureichend vernetzt und kommuniziert sind.
Reinbek wird dafür eintreten, dass seine kulturellen und naturräumlichen Qualitäten – auch mit den Nachbarn – in Verbindung mit der Erhöhung der Aufenthalts- und Erlebnisqualität in Alt-Reinbek besser vernetzt, erlebbar und nach außen vermittelt werden.

Attraktives Alt-Reinbek / Innenstadt
Die Innenstadt Alt-Reinbek verfügt über die stärksten und ausbaufähigsten Zentrumspotenziale Reinbeks: Bahnhof, Rathaus, Gericht, Theater, Tagungs-hotel, Stadtbibliothek, Volkshochschule, Museum Rade, Einzelhandel und Gastronomie in Bahnhofstraße, Bergstraße und Schmiedesberg.
Allerdings ist die Zentrumsfunktion erheblich gestört durch

Dennoch gibt es für Reinbek zur Vitalisierung seiner „urbanen“ Attraktivität keine Alternative zur Sicherung und Fortentwicklung Alt-Reinbeks als städtisches und kulturelles Zentrum!

Reinbek will dazu z.B. 

 

Stadtentwicklung / Stadtteilentwicklung
Die Siedlungsstruktur mit durch Grünachsen gegliederten Stadtteilen ist ein Merkmal Reinbeks. Die Stadtentwicklung fand sich durch diese Struktur vielfach in einem Zwiespalt: Stadtteile betonen oder eine „geschlossene“ Stadt entwickeln? Das Leitbild
bezieht hier eine klare Position und gibt einen verlässlichen Zielkorridor vor:

Reinbeks Charme, Eigenart und Stadtstruktur ist eine Stadtteilstruktur mit viel Freiraum, wird und soll dies auch bleiben!

Daraus ergibt sich die Verpflichtung, dass alle Stadtteile gleichberechtigt an der Entwicklung der Stadt teilhaben. Teilhabe in diesem Sinne bedeutet nicht, dass alle öffentlichen Einrichtungen überall vorhanden sind, sondern dass der Zugang und die Nutzung dieser Einrichtungen allen Bürgerinnen und Bürgern zu ermöglichen ist. Deswegen müssen – insbesondere im Interesse jüngerer und älterer Menschen - alle öffentlichen und medizinischen Institutionen (Verwaltung, Theater, Bücherei, Schwimmbad, Sportanlagen, Bildungseinrichtungen, Einkaufszentren, Krankenhaus) mit dem öffentlichen Personennahverkehr mit vertretbarem Zeitaufwand erreichbar sein.

Dieser Grundsatz beinhaltet auch klare Vorgaben für die künftige Flächenentwicklung:

  1. Die Innenentwicklung hat Priorität vor Neuausweisungen.
  2. Die Freiräume im Osten Reinbeks sind zu erhalten, die Grünzüge am Rande und zwischen den Stadtteilen sind als Erholungs- und Freizeitbereiche zu gestalten, um attraktive Siedlungsränder auszubilden.
  3. Neuausweisungen sind mittelfristig zu beschränken auf die im derzeit gültigen Flächennutzungs- und Landschaftsplan
    ausgewiesenen und dargestellten Entwicklungsflächen.
  4. Die Freiflächen zwischen Schönningstedt und Alt-Reinbek werden als Entwicklungs- und Zukunftsoption verstanden und gesichert. Über ihre bauliche Nutzung und die Art der Nutzung wird entschieden, wenn dafür ein nachgewiesener Bedarf erkannt wird.

 

Verwaltungseffizienz und interkommunale Kooperation
Reinbek ist – wie alle Städte dieser Größenordnung – auf eine laufende Optimierung seiner Verwaltungseffizienz und auf Kooperation in der Metropol-region Hamburg sowie mit seinen Nachbarkommunen verpflichtet.

Die enge siedlungsstrukturelle Verflechtung der Stadtteile mit den Nachbar-kommunen soll als Chance verstanden und die Kooperation offensiv verstärkt werden. Dies kann erhebliche Ergänzungs- und Spareffekte bei der Infrastrukturbereitstellung oder hinsichtlich einer Arbeitsteilung bei Verwaltungsleistungen eröffnen.

Bürgerschaftliches Engagement 
Bürgerschaftliches Engagement und ehrenamtliche Tätigkeiten werden in Reinbek als Zukunftsmodell verstanden.

Stadtentwicklungspolitik und  Leitbild werden als Gemeinschaftswerk von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerschaft verstanden und betrieben. Deshalb sollen die Reinbekerinnen und Reinbeker im weiteren Arbeitsprozess und bei der Konkretisierung der in dem Leitbild skizzierten Maßnahmen und Projektideen aktive Beteiligungsmöglichkeiten erhalten.

 

__________________________________________________
Fotos:  Biebau, Bornhöft, Stadtarchiv Reinbek                          Graphik:  wrs-architekten hamburg